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Alltagssport – was Sex im Treppenhaus und Krafttraining an der Hantelbank gemeinsam haben

Kann ein Meteorologe das Wetter vorhersagen? Ein Computerfachmann die Motivation eines Laptops bestimmen? Und kann ein Zoologe in die Seele eines hyperaktiven Faultiers gucken? Na schön, ja. Die meisten Fachleute verstehen tatsächlich einiges von ihrem Fach. Aber ist das vielleicht ein Grund, von der Redakteurin eines Fitnessportals nicht nur allumfassendes Wissen über so gut wie jede Leibesertüchtigung zu erwarten, die die Menschen seit der guten alten Steinzeit getrieben haben, sondern auch noch überzusprudeln vor Ideen, wie sich Alltagstätigkeiten gewinnbringend in Gewichtsabnahme umwandeln lassen?

Ständig heißt es: „Sag mal, was ist besser? Fahrradfahren oder Joggen? Wann verbrenne ich mehr Kalorien – beim Einkaufen oder beim Saubermachen? Kann ich mir das Workout sparen, wenn ich täglich zehn Minuten lang exzessiv knutsche?“ Mit solchen oder so ähnlichen Fragen werde ich beinahe täglich von Freunden und Kollegen, Nachbarn, Bekannten, Verwandten, Kollegen, Nachbarn und Bekannten belagert, ja fast schon belästigt. Immerhin habe ich mich aufgerafft und in stundenlanger Recherche unter Einsatz meiner persönlichen körperlichen und geistigen Unversehrtheit Antworten gesucht auf die Fragen, die die Republik bewegen. Und dann war das eigentlich ziemlich einfach:

Tatsächlich verbrennen begeisterte Hausfrauen oder -Männer mehr Kalorien, als ich gedacht hätte: Blumengießen zum Beispiel bringt, je nach Größe, Material und Füllmenge der Gießkanne und Gewicht des Probanden ein Minus von 38 bis 62 Kalorien! Vorausgesetzt, man gießt mindestens 15 Minuten lang alles, was nicht wegwachsen kann und geht drei bis viermal Wasser nachfüllen. Wenn das Grünzeug dann noch in unterschiedlichen Stockwerken oder gar auf einem Schrank steht, sodass praktisch eine Gymnastikstunde daraus wird, potenziert sich der Kalorienverbrauch! Natürlich kann die Gymnastikstunde auch ohne Blumengießen absolviert werden, das rettet die Blumen zwar nicht vor dem Hungertod, bringt aber etwas mehr: 50 bis 100 Kalorien pro 15 Minuten! Während Bügeln und Bettenmachen kaum einen Traumkörper modellieren können, bringen Treppensteigen und Einkäufe schleppen immerhin bis zu 300 Kalorien in jeder halben Stunde. Jetzt kann man natürlich zu Recht fragen, welcher Leuchtturmwärter dreißig Minuten (!) lang Treppen steigen muss, um ans Ziel zu kommen. Die Antwort auf diese Frage habe ich auch nicht, aber einen kleinen Tipp: Wer immer du bist, vergiss die Gießkanne nicht, sonst geht das ganze noch mal von vorn los!

Vergleichsweise könnte man auch Joggen, Powerwalken oder Aqua-Fitness betreiben, da ist der Kalorienverbrauch ähnlich hoch, aber die Einkaufsfrage lösen diese Sportarten nicht, und Treppen steigen muss man ja eh. Putzen, Staubsaugen und Kochen verbrennen dagegen weniger Kalorien, als der Aufwand manchmal vermuten lässt. Ich persönlich kann das nicht bestätigen, aber wahrscheinlich gebe ich mir auch einfach zuviel Mühe. Vielleicht sollte ich damit aufhören und lieber zwei Mal wöchentlich den Rasen mähen. Scheinbar ist das ein echter Fettkiller. Hm, möglicherweise auch nicht. Denn jetzt kommen wir zum größten Kalorienschreck, den das tägliche Leben uns zu bieten hat: Sex! Eine Runde á 30 Minuten inklusive Vorspiel ist nicht nur über 550 Kalorien wert, sie setzt außerdem Glückshormone frei (vorausgesetzt, es wird richtig gemacht), strafft den Körper über alle Maßen (manchmal resultiert Sex sogar in Muskelkater, und dass Muskelkater ein gutes Zeichen ist, weiß ja jeder) und schützt das Immunsystem! Und wenn nebenbei schön leidenschaftlich geküsst wird, kommen noch mal 200 bis 350 Kalorien pro halber Stunde dazu! Macht knapp 1000 Kalorien für eine Tätigkeit, die als schönste Nebensache der Welt gilt!

Es ist ziemlich schwierig, eine Sportart zu finden, die da mithalten kann. Squash verbrennt „nur“ um die 600 Kalorien, Schwimmen und Spinning nicht anders. Das alles macht zwar auch Spaß, ist aber nicht annähernd so schön, und die Variationsmöglichkeiten sind begrenzt. Natürlich kann man als erfinderisches Wesen das eine mit dem anderen kombinieren, zum Beispiel in folgendem Szenario: Zuerst 30 Minuten Circle Training, Aerobic oder Pilates, dann kurz verschnaufen und kalt duschen (das macht die Haut sensibler!), und anschließend wahlweise mit dem/der Trainer/in, einem Mitsportler oder meinetwegen sogar mit dem eigenen Partner für eine weitere halbe Stunde in der Umkleide oder im heimischen Schlafzimmer verschwinden. Wer anschließend noch Treppen steigen kann, Einkäufe nach Hause tragen oder Rasen mähen, hat sich eine Medaille verdient!

Fazit: Viele Wege führen nach Rom! Der Alltag bietet unzählige Möglichkeiten, ein gesundes und in allen Bereichen befriedigendes Leben zu führen, und es ist gerade die Verbindung von Sportstudio und Treppenhaus, die uns nicht nur fit, sondern glücklich macht!

Tina „Drill Instructor“ Mottok


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